Die Ardennen sind ein waldreiches Mittelgebirge, das sich von Ostbelgien über die französischen Ardennes bis an die Grenzen von Eifel und Luxemburg zieht. Tief eingeschnittene Flusstäler, weite Hochmoore und eine der ältesten Rennstrecken Europas liegen hier dicht beieinander, dazu Orte, an denen die Ardennenoffensive von 1944/45 bis heute im Gelände sichtbar ist. Für Motorradfahrer heißt das: enge Talkurven, offene Höhenzüge und kurze Etappen zwischen sehr unterschiedlichen Landschaften. Was die einzelnen Reviere ausmacht, steht hier.
Spa-Francorchamps – Rennstrecke im Wald

Bei Francorchamps zwischen Malmedy und Stavelot liegt der Circuit de Spa-Francorchamps, mit der Steigungskombination Eau Rouge/Raidillon als bekanntester Passage. An Trackdays und offenen Terminen kann man selbst auf den Kurs, die Anmeldung läuft über den Betreiber. Wer nicht auf die Rennstrecke will, findet den historischen Reiz auf der Straße: Das alte Rundstreckendreieck führte über die öffentlichen Landstraßen zwischen den drei Orten, und diese Waldstrecken sind bis heute fahrbar — schnelle, gut ausgebaute Kurven durch dichten Nadelwald.
Hohes Venn – Hochmoor auf dem Dach Belgiens

Nördlich der Rennstrecke breitet sich das Hohe Venn aus, ein Hochmoor und Naturschutzgebiet auf der deutsch-belgischen Grenze. Höchster Punkt ist das Signal de Botrange mit 694 Metern; ein aufgeschütteter Steinsockel, die Butte Baltia, hebt die Stelle auf die runde 700-Meter-Marke. Die N68 von Eupen nach Malmedy und die am Mont Rigi abzweigende N676 zum Signal de Botrange queren die baumlose, oft neblige Hochfläche — freie Sicht, langgezogene Kurven und ein Landschaftsbild, das in Mitteleuropa selten ist. Nach Süden fällt das Gelände in die grünen Täler ab.
Amblève-Tal – die Wasserfälle von Coo
Von Stavelot folgt die Straße der Amblève (deutsch Amel) flussabwärts. Bei Coo stürzt der Fluss über die höchste Wasserstufe der Region — entstanden, als Mönche der Abtei Stavelot im 18. Jahrhundert den Hals einer Flussschleife durchstachen. Weiter talwärts liegt bei Aywaille der Fonds de Quarreux, ein von mächtigen Quarzitblöcken durchsetztes Flussbett. Das Tal ist enger und schattiger als die Höhen des Venn und verbindet den Raum Stavelot mit der Ourthe im Westen.
Semois-Tal – Bouillon und die Kreuzzugsburg
Im Süden windet sich die Semois in engen Schleifen durch bewaldete Hänge. Über Bouillon thront eine der ältesten erhaltenen Feudalburgen Belgiens; ihr Herr Gottfried von Bouillon verpfändete sie 1096, um den Ersten Kreuzzug zu finanzieren. Wenige Kilometer flussaufwärts liegt bei Botassart der Aussichtspunkt Tombeau du Géant, wo die Semois eine bewaldete Halbinsel fast vollständig umschließt. In den Tallagen wurde bis in die jüngere Zeit der kräftige Semois-Tabak angebaut. Für Motorradfahrer sind die Uferstraßen das kurvenreichste Terrain der belgischen Ardennen.
Ourthe-Tal – La Roche und die kleinste Stadt
Das Ourthe-Tal ist das nördliche Gegenstück zum Semois. In La Roche-en-Ardenne überragt eine Burgruine aus dem 11. Jahrhundert den Ort, den der Fluss in einer engen Schleife umläuft; auch hier erinnern Panzer-Denkmäler an die Kämpfe des Winters 1944/45. Flussabwärts liegt Durbuy, das sich seit dem Stadtrecht von 1331 „kleinste Stadt der Welt" nennt — enge Kopfsteinpflastergassen, ein Formschnittgarten und dichter Tagesausflugsverkehr. Die Straßen an Ober- und Unterlauf der Ourthe sind kurvig, aber deutlich stärker befahren als das Semois-Tal.
Baraque de Fraiture – der höchste Verkehrsknoten
Zwischen Vielsalm und Manhay liegt die Baraque de Fraiture, ein Straßenkreuz auf rund 650 Metern und nach dem Signal de Botrange einer der höchsten Punkte Belgiens — und der höchste, über den eine Hauptstraße führt. Hier steht eine der wenigen Skistationen des Landes. Die Höhenlage lässt den Übergang im Winter früh zufrieren; im Sommer ist er ein logischer Kreuzungspunkt zwischen dem Ourthe-Raum, Vielsalm und der Straße Richtung Bastogne.
Bastogne – die Ardennenoffensive
Im Winter 1944/45 war die Region Schauplatz der Ardennenoffensive, der letzten deutschen Großoffensive im Westen. Bastogne war eingekesselt und wurde von US-Truppen gehalten; auf der Place McAuliffe erinnert ein amerikanischer Sherman-Panzer daran, das sternförmige Mardasson-Denkmal am Ortsrand nennt die beteiligten US-Einheiten. Das Bastogne War Museum ordnet die Schlacht ein, und in den Wäldern bei Foy sind die Schützenlöcher im Bois Jacques bis heute im Boden zu erkennen. Als Etappenziel verbindet Bastogne Geschichte mit gut ausgebauten Verbindungsstraßen in alle Richtungen.
Ardennes françaises – die Mäander der Maas
Südwestlich schließen die französischen Ardennen an. In Charleville-Mézières, der Hauptstadt des Départements, lohnt die Place Ducale aus dem frühen 17. Jahrhundert, ein enger Verwandter der Pariser Place des Vosges; die Stadt ist zudem der Geburtsort des Dichters Arthur Rimbaud. Nördlich davon hat sich die Maas in tiefen Schleifen durch das Schiefermassiv gegraben — die Straßen am Fluss zwischen Monthermé und Givet führen an steilen Felswänden wie den Dames de Meuse vorbei und gehören zu den lohnendsten des französischen Teils. Givet ist die nördlichste Stadt des Départements Ardennes, dicht an der belgischen Grenze.
Anschluss – Eifel, Nürburgring und Luxemburg
Nach Osten geht das Bergland ohne Bruch in die Eifel über — dieselbe Landschaft, andere Grenze — und damit rückt der Nürburgring in Tagesreichweite. Nach Südosten grenzt das luxemburgische Ösling an, das dieselben Talformen fortsetzt. Wer die belgischen und französischen Ardennen mit der Eifel kombiniert, fährt an einem langen Tag durch mehrere Länder und an zwei traditionsreichen Rennstrecken vorbei, ohne lange Autobahnetappen dazwischen.