Reisezeit, Regenrisiko und Anreise über Aachen, Eupen oder Luxemburg
Die beste Zeit für eine Motorradtour durch die Ardennen liegt zwischen Juni und September. In diesen Monaten sind die Temperaturen mild bis warm – im Hochsommer im Tal um die 21 bis 24 Grad –, und der Niederschlag ist am geringsten; der Juli ist statistisch der trockenste Monat. Auch der frühe Herbst von September bis Anfang Oktober ist reizvoll, wenn die Wälder sich färben und die Hauptsaison vorbei ist; dann ist mit milderen, aber wechselhafteren Tagen zu rechnen.

Generell sind die Ardennen niederschlagsreich – an zehn bis fünfzehn Tagen im Monat fällt Regen, und besonders das Hohe Venn ist häufig neblig und nass. Von November bis Januar gibt es regelmäßig Nebeltage, und in den Höhenlagen kann es schneien und früh frieren. Eine wasserdichte Ausrüstung und eine wärmere Lage für die Höhen gehören deshalb auch im Sommer ins Gepäck. Wer kann, fährt unter der Woche: An Wochenenden und in den Ferien sind die bekannten Orte wie Durbuy, Dinant oder das Venn deutlich voller.
Die Anreise aus Deutschland ist unkompliziert. Aus dem Rheinland führt der direkteste Weg über die A4/E40 Richtung Aachen und weiter nach Eupen, von wo aus man unmittelbar am Hohen Venn ist. Wer die Eifel als Vorgeschmack mitnehmen will, fährt über die deutschen Eifelstraßen nach St. Vith oder Bütgenbach in den belgischen Osten. Den Süden und Luxemburg erreicht man bequem über die luxemburgischen Autobahnen A1 und A7 Richtung Ettelbruck und Vianden. Das kostet nichts: In Belgien und Luxemburg ist das Autobahnnetz maut- und vignettenfrei, nur im französischen Teil wird Péage fällig. Und der Tank bleibt in Luxemburg am günstigsten – wer das Großherzogtum verlässt, füllt vorher auf.
Hochmoor mit eigener Wetterlage: das Hohe Venn
Das Hohe Venn ist kein Berg, sondern eine flache, windoffene Fläche in Höhenlage, auf der sich seit dem Ende der letzten Eiszeit Torf gebildet hat — stellenweise mehrere Meter mächtig. Ein solches Regenmoor bezieht sein Wasser ausschließlich aus dem Niederschlag, es speichert es und gibt es langsam wieder ab. Genau das erklärt, warum Straßen hier oben nach einem Schauer länger feucht bleiben als im Tal, obwohl die Fahrbahn frei liegt und Wind darüber steht.
Meteorologisch ist die Hochfläche das erste Hindernis, auf das feuchte Westluft nach der norddeutschen und belgischen Tiefebene trifft. Die Luft wird gehoben, kühlt ab, regnet aus — was im Maastal noch als hohe Bewölkung durchgeht, liegt auf dem Venn als geschlossene Nebeldecke. Der Temperaturunterschied zwischen Talgrund und Plateau ist an solchen Tagen so groß, dass eine zusätzliche Lage im Gepäck nicht Vorsicht, sondern Kalkül ist. Dazu kommt der Seitenwind: Auf der baumlosen Fläche gibt es keine Deckung, und die Böe trifft ein Motorrad mit Koffern spürbar anders als im geschützten Waldtal fünf Kilometer weiter.
Zwei Punkte auf der Hochfläche lohnen einen Stopp, weil sie das Klima erzählen. An der Baraque Michel steht das Kreuz der Verlobten, das an ein Paar erinnert, das hier im Schneesturm umkam — ein Denkmal dafür, was diese offene Fläche im Winter bedeutet. Am Mont Rigi liegt eine Forschungsstation, die das Moor seit Jahrzehnten beobachtet. Wichtig für die Planung: Das Naturschutzgebiet wird bei hoher Brandgefahr in Teilen für Besucher gesperrt, die Bohlenwege sind dann tabu. Die Straßen bleiben offen, das Aussteigen und Herumlaufen nicht immer.