
Luxemburg – Tanz durch das „Ösling“
Das Großherzogtum Luxemburg ist mit etwas mehr als zweieinhalbtausend Quadratkilometern nicht das größte europäische Land, hat aber für Motorradfahrer eine Menge zu bieten.
Ardennen
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Das Großherzogtum Luxemburg ist mit etwas mehr als zweieinhalbtausend Quadratkilometern nicht das größte europäische Land, hat aber für Motorradfahrer eine Menge zu bieten.

Wer Luxemburg noch nicht kennt, hat wirklich was verpasst. Neben der Eifel, wo diese Tour startet, bieten die Ardennen ebenfalls die besten Zutaten für allerbesten Motorradspaß. Also auf geht’s nach Bad Bertrich, wo diese Traumtour…

Wer denkt Luxemburg, sei nur eine (Haupt-)Stadt, liegt mächtig falsch. Es ist ein Land voller Kontraste zwischen Tradition und Moderne und noch dazu ein eindrucksvolles Motorradgebiet.

Nach über 60 Jahren erster Maifisch in der Mosel”, lautete kürzlich die Überschrift in den Lokalzeitungen zwischen Koblenz, Trier und Luxem

Der Circuit de Spa-Francorchamps liegt im Wald zwischen Francorchamps, Malmedy und Stavelot – für viele der Grund, überhaupt in die Ardennen zu fahren. Wichtig zu wissen: Der heutige Kurs ist eine dauerhaft umbaute, privat betriebene Rennstrecke von rund sieben Kilometern und keine öffentliche Straße. Man kann dort nicht einfach hineinfahren. Auf den Asphalt kommt nur, wer an einem organisierten Termin teilnimmt.
Fahrten auf dem Kurs laufen ausschließlich über angemeldete Veranstaltungen – Trackdays, offene Roulage-Termine oder Club-Sessions, die der Betreiber oder ein Veranstalter ausschreibt. Die Termine wechseln von Jahr zu Jahr und stehen nur im offiziellen Kalender; wer hinwill, plant nicht auf Verdacht, sondern bucht vorab. Üblich sind dabei feste Anforderungen:
Die berühmte Steigungskombination Eau Rouge/Raidillon gehört zu diesem kostenpflichtigen Kurs – vom öffentlichen Straßennetz aus ist sie nicht befahrbar, nur von Aussichtspunkten aus zu sehen.
Der historische Reiz liegt auf der Straße. Der ursprüngliche Rennkurs war ein Dreieck von rund vierzehn Kilometern, das über ganz normale Landstraßen führte: von Francorchamps hinunter Richtung Malmedy, über die schnelle Passage bei Burnenville, weiter über die legendäre Masta-Gerade mit ihrem berüchtigten Knick zwischen Malmedy und Stavelot und von dort zurück. Erst Ende der 1970er Jahre wurde der Rennbetrieb auf den kurzen, fest umbauten Kurs verlegt.
Diese alten Abschnitte sind bis heute befahrbare öffentliche Straßen – schnelle, gut ausgebaute Kurven durch dichten Nadelwald, ein rollendes Stück Rennsportgeschichte. Wer die Verbindungen zwischen Malmedy, Stavelot und Francorchamps abfährt, sitzt auf demselben Asphalt, auf dem früher die Grand-Prix-Motorräder unterwegs waren. In der Abtei Stavelot ist dem Circuit ein eigenes Museum gewidmet – ein sinnvoller Stopp bei schlechtem Wetter oder als Ergänzung zur Runde.

Das Hohe Venn (französisch Hautes Fagnes) ist mehr als eine neblige Hochfläche mit dem Signal de Botrange als höchstem Punkt Belgiens. Es ist zugleich das größte Naturschutzgebiet des Landes, seit den späten 1950er Jahren als Réserve naturelle geschützt und Kern des Naturparks Hohes Venn–Eifel, eines der ersten grenzüberschreitenden Naturparks Europas. Für Motorradfahrer heißt das: Die Landschaft ist offen und reizvoll, die Bewegungsfreiheit abseits der Straße aber klar geregelt.
Befahren werden dürfen ausschließlich die asphaltierten Durchgangsstraßen, die das Venn queren – etwa die N68 zwischen Eupen und Malmedy und die N676 hinauf zum Signal de Botrange. Die zahllosen Nebenwege, Forstpisten und Schotterwege, die von diesen Achsen abzweigen, sind für den Motorverkehr gesperrt; viele sind mit Schranken oder Verbotsschildern versperrt. Das Verlassen des Asphalts und jede Fahrt über die Moorwege ist im Schutzgebiet nicht erlaubt. Die aufgeständerten Holzstege (Caillebotis), auf denen man das Moor erkundet, sind ausschließlich für Fußgänger.
Das Moor ist brandgefährdet. In trockenen Phasen gibt die Verwaltung eine farbcodierte Waldbrand-Warnstufe aus; erreicht sie die höchste Stufe, wird das Reservat für Besucher vollständig gesperrt – dann sind die Wanderstege und Zugänge dicht, auch wenn die Durchgangsstraßen weiter befahrbar bleiben. Wer einen Stopp mit kurzer Wanderung ins Moor eingeplant hat, sollte die aktuelle Warnstufe vorher prüfen, sonst steht man vor geschlossenen Toren.
Zum Pausieren eignen sich die offiziellen Parkplätze und das Naturzentrum Botrange direkt an der Straße. Wildes Abstellen am Straßenrand ist im Schutzgebiet nicht nur unerwünscht, sondern auf dem oft durchweichten, moorigen Untergrund auch heikel. Wer auf den Straßen bleibt und die gesperrten Wege respektiert, hält die Region für Motorradfahrer offen – Rücksicht ist hier auch Bestandssicherung.
Die Ardennen liegen im Dreiländereck von Belgien, Luxemburg und Deutschland, und eine gute Tagestour kreuzt die Grenzen oft mehrfach. Kontrollen gibt es dank Schengen keine – die Übergänge sind meist so unauffällig, dass man sie erst am Wechsel der Schilder bemerkt: andere Form und Farbe der Verkehrszeichen, ein neues Kürzel vor der Straßennummer, eine andere Sprache auf dem Ortsschild.
Eine durchgehende Route ändert an jeder Grenze ihre Nummer: In Belgien fährt man auf N-Straßen, in Luxemburg auf N- und CR-Straßen, in der deutschen Eifel auf B- und L-Straßen. Eine Verbindung, die drüben noch N… hieß, heißt gleich dahinter ganz anders. Deshalb gilt: nach Zielorten navigieren, nicht nach der Straßennummer. Handy und Navi funktionieren dank EU-Roaming in allen drei Ländern ohne Zusatzkosten, auch für Karten und den Notruf.
In der Wallonie ist die Beschilderung französisch – mit einer Ausnahme: In der Deutschsprachigen Gemeinschaft rund um Eupen und Sankt Vith sind die Hinweise deutsch, und viele Orte tragen zwei Namen. In Luxemburg mischen sich Französisch, Deutsch und Luxemburgisch, in der Eifel ist alles deutsch. Wer die Doppelnamen kennt (etwa Sankt Vith und Saint-Vith), findet sie am Wegweiser schneller.
Zwischen Deutschland und Luxemburg bilden die Our und weiter südlich die Sauer die natürliche Grenze; gekreuzt wird auf den Brücken, etwa bei Dasburg, Stolzembourg oder im Raum Vianden. Ein lohnender Wegpunkt ist das Dreiländereck im Our-Tal bei Ouren, wo Belgien, Deutschland und Luxemburg zusammenstoßen und ein Europa-Denkmal an die Grenzlage erinnert. Weil die Entfernungen klein sind, ist eine Runde durch alle drei Länder an einem Tag problemlos machbar – geplant wird hier weniger nach Kilometern als nach Kurven und Höhenmetern.
Rund 120 bis 140 km, etwa ein halber bis ganzer Tag. Von Bouillon aus den Mäandern der Semois flussaufwärts folgen, über Poupehan und die Tabakdörfer bei Vresse-sur-Semois, mit Abstecher zum Aussichtspunkt Tombeau du Géant bei Botassart. Über Bertrix und Florenville mit kurzem Abstecher zur Abtei Orval zurück nach Bouillon. Highlight: der Blick auf die von der Semois umschlungene Halbinsel. Einkehr: in Bouillon am Flussufer.
Rund 130 bis 150 km. Von Malmedy oder Eupen über die Hochfläche des Hohen Venn zum Signal de Botrange, weiter über Ovifat zur Talsperre Robertville und hinüber zur Gileppe-Talsperre bei Goé. Highlight: die weite, offene Moorlandschaft am höchsten Punkt Belgiens. Einkehr: Café an der Passhöhe Botrange oder im Naturparkzentrum. Wetterfeste Kleidung mitnehmen – hier oben ist es kühler und oft neblig.
Rund 140 bis 160 km. Durch den Norden Luxemburgs entlang von Our und Sauer, über Diekirch und Ettelbruck, mit Standstopp in Vianden unterhalb der mächtigen Burg und Schleife durch das obere Our-Tal Richtung Clervaux. Highlight: Burg Vianden über dem Our-Tal. Einkehr: im Ortskern von Vianden. Günstigen Tankstopp in Luxemburg einplanen.
Rund 150 bis 180 km. Von Dinant an der Maas über Rochefort und Marche-en-Famenne nordwärts Richtung Durbuy an der Ourthe. Highlight: Zitadelle und Saxophon-Stadt Dinant, dazu die verwinkelte Altstadt von Durbuy. Einkehr: Durbuy ist bekannt für seine Gastronomie und Spezialitäten wie Ardennenschinken.
Rund 130 bis 150 km. Von Bastogne mit dem Mardasson-Denkmal über Houffalize hinüber nach La Roche-en-Ardenne mit seiner Burgruine über der Ourthe, Rückweg über die Wälder bei Saint-Hubert. Highlight: die Verbindung aus Kriegsgeschichte (Bastogne) und Flussromantik (La Roche). Einkehr: La Roche am Ourthe-Ufer.
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